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Sexistische Kackscheiße im Kinderzimmer

Posted in Geschlechtsoffene Erziehung

Last updated on Februar 9, 2020

Dieser Blogpost erschien ursprünglich am 07.08.2015 auf nooborn.wordpress.com.
Da ich den alten Blog stillgelegt habe, findet sich der Text nun hier.


Wir scherzen oft, dass „sexistische Kackscheiße“ vermutlich der erste Zweiwort-Satz unseres Kindes werden wird. Ausschließen können wir es nicht, denn sowohl ich als auch mein Mann äußern diese Kombination häufiger. Etwa beim Anblick von Werbung. Oder der Kinderabteilung eines Kaufhauses. Oder beim Lesen einiger Beiträge in meiner herzallerliebsten Eltern-Gruppe* auf Facebook.

Diese Gruppe hat als eine Regel eigentlich „Keine sexistische Kackscheiße“ – einer von vielen Gründen, weshalb ich diese Gruppe mag. Aber die sexistische Kackscheiße ist leider allgegenwärtig.

Da wird gefragt ob der blaue Ranzen mit den grünen Sternen drauf auch für einen Jungen okay wäre. Die Rezensionen auf der Website eines großen Online Händlers lauteten so häufig: „…für meine Tochter gekauft…“?**

Ob es auch Holz-Puzzle für kleine Mädchen gäbe, die meisten wären mit Autos oder Bauernhoftieren?**

Was denn einem Mädchen zum ersten Geburtstag geschenkt werden könne, eins selbst habe ja zwei Jungs gehabt?**

Ob die grüne Hose mit den rosa Nähten auch für einen Jungen okay sei?**

Dass ein bestimmtes Geschirr gesucht wird, es müsse auch nicht mit Rittern drauf sein, wie im Beispielbild, Hauptsache für Jungs.**

Bedauerlicherweise sind diese Fragen keine Einzelfälle die dann einfach mit dem altbekannten „Wie entscheide ich, ob ein Spielzeug für Jungen oder für Mädchen ist“? – Flowchart beantwortet werden (das ja leider auch sehr cissexistisch ist).

Im Gegenteil, zahlreiche Eltern bestätigen, dass sie die rosa Nähte einem Jungen niemals anziehen würden und machen tolle Marketing-gerechte Vorschläge, was einem Mädchen geschenkt werden könne.

Ich finde das auch deshalb so erschreckend, weil diese Eltern sich dann auch mal über Dinge beschweren die sexistischer-kackscheiß-Erziehung geschuldet sind. Etwa dass der (männliche) Partner sich im Haushalt nicht beteiligt und die Pflege der Kinder dem (weiblichen) Partnerin obliegt. Dass der Mann ja so wenig Rücksicht auf Emotionen nähme,… kurz und gut: all das was dabei rauskommt wenn Menschen von frühester Kindheit an in das Schema einer gesellschaftlich anerkannten Geschlechterschablone gepresst werden.

Ich kann Verständnis dafür aufbringen, dass man einem Jungen keine rosa-Glizter-Kleidchen anziehen mag, wenn er diesen Wunsch nicht selbst äußert oder noch nicht äußern kann. Zuviel Spott und Häme sind für ein Kind nämlich mit Sicherheit noch schlechter als starre Geschlechterstereotypen. Wobei… einem „richtigen Jungen“ macht das ja nichts aus, oder?

Ich kann kein Verständnis dafür aufbringen, wenn das Kindergeschirr nach Geschlecht unterschieden wird. Wie soll das aussehen? Besonders griffige Henkel weil ja jeder weiß, dass kleine Jungs grobe große Hände haben und nicht so zart zupacken wie Mädchen? Keine Schmetterlinge drauf weil dann… ja was? Das Kind „verweichlicht“? Der Penis auf Grund dessen das Kind als männlich definiert wurde abfällt (Schmetterlinge sind ja bekannt für das Schniepelgift, das sie absondern)?

Kinder werden früh genug und an all zu vielen Ecken mit Geschlechterstereotypen konfrontiert. Wir müssen die nicht auch noch von uns aus ins Kinderzimmer tragen. Mädchen sind nicht automatisch kleine Prinzessinnen und Jungs keine kleinen Helden. Das ist Bullshit. Kinder sind vor allem das: Kinder. Manche laut, manche leise, manche zart, manche grob, manche umsorgend, manche erforschend, die meisten alles ein bisschen und unterschiedlich stark ausgeprägt. Und das hat zu 99,9% nichts damit zu tun ob sie mit Penis oder Vulvina oder inter Genitalien zur Welt kamen. Sondern mit Persönlichkeit, Erziehung und gelebtem Vorbild.


*Ich liebe diese Gruppe. Wirklich. Sie ist toll. Sie macht vieles möglich. Aber toll sein schützt vor der rosa-hellblau-Falle nicht. Ich bin übrigens wegen der ebenso tollen Andrea Harmonika dorthin gekommen.

**Liebe Gruppenmitglieder, die ihr euch in diesen Beispielen wieder erkennt: Ihr seid auch toll. Ich mag nur die Aussagen nicht 😉

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